Was ist »Modernität«? Worin besteht eine moderne Erfahrung, wenn man »Erfahrung« als historisches Verhältnis von Subjektivitätsformen, Objektivitätsstrukturen und Konformitätsprinzipien bestimmt? Und wie kann man Modernität denken? – Die Fragen markieren das analytische Koordinatensystem, in dem die Texte dieser Seiten Elemente einer Theorie der Moderne sind.

Es sind Texte über Kontingenz, ihre Positivität und ihre Normalisierung; über Sicherheits-, Versicherungs- und Kontrollgesellschaften; über das Verhältnis von Moderne, Postmoderne und Klassischer Moderne; über methodischen Konstruktivismus, empirische Sozialforschung und abstrakte Malerei; über Architekturen organisierter Vergesellschaftung, Räume mobilisierter Selbstentfaltung und über die politische Logik totalitärer Infrastrukturen; über urbane Revolten, metropolitane Lebensformen und den Möglichkeitssinn als Modus der Existenz; über Krisen, Hoffnungen und die Ambivalenz der Mobilität; über die Mittelschicht, die Massenkultur und die kommunikative Normalisierung des Sozialen; über Benjamin, Blumenberg, Bourdieu, Derrida, Foucault, Koselleck, Luhmann, Musil, Park, Plessner, Simmel, Valéry, Weber und Yates; über die Grenze, den Horizont, das Meer, das Hansaviertel und den Potsdamer Platz; über die Romantik, die Avantgarde und die Offenheit des Unendlichen; über den Fortschritt, den Wettbewerb, die Konkurrenz und den sozialen Zwang zur permanenten Optimierung.

Die Theorie der Moderne, die in diesen Texten entfaltet wird, begreift Modernität als Kultur der Kontingenz. Ordnungen sind in der Moderne prinzipiell auch anders möglich. Und Wirklichkeiten sind strukturell heterogen. Kontingenz ist in dieser Theorie der Moderne also keine Nebenfolge von Modernität, sondern ihre konstitutive Voraussetzung. Dennoch ontologisiert diese Theorie die Kontingenz nicht. Sie problematisiert Kontingenz vielmehr als funktionelle Logik eines historischen Selbst- und Weltverhältnisses. Das unterscheidet sie von den klassischen Theorien der Moderne, die fast alle melancholisch sind: Sie begreifen Modernität als Verlust – von Substanz, von Sinn, von Heimat und von einer konkreten Totalität der Erfahrung. Diese Theorie der Moderne teilt solche Diagnosen nicht. Kontingenz ist in ihr weder Defizit noch Fluch; sie bedeutet keine Sinnlosigkeit und nicht nur Unsicherheit. Kontingenz ist hier in erster Linie Möglichkeitsoffenheit. Es ist eine Möglichkeitsoffenheit, die sich konkret in der Pluralität und abstrakt in der Fiktionalität von Alternativen realisiert. Und »Modernität« ist der Name für die kulturelle Form, in der diese Möglichkeitsoffenheit institutionalisiert wird. Anders gesagt: Modernität ist die kulturelle Form, in der sich eine Gesellschaft in Unbestimmtheit organisiert.

Alle Texte dieser Seiten wurden bereits publiziert und werden hier als digitale Sammlung präsentiert. Die meisten Aufsätze, Essays und Studien sind außerdem in ausführlichen Abstracts zusammengefasst. Die Bilder, Photos und Objekte dieser Seiten sind allerdings keine Elemente dieser Theorie. Sie stehen vielmehr für das Andere der Theorie. Also einfach für sich selbst.